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»Tatort«: MDR setzt als Sparmaßnahme Produktion für drei Jahre aus

Quelle: Spiegel Kultur - Veroeffentlicht: 11 May 2026 14:20

Zur Merkliste hinzufügen Artikel anhören (5 Minuten) 5 Min X.com Facebook E-Mail Link kopieren Weitere Optionen zum Teilen X.com Facebook E-Mail Messenger WhatsApp Link kopieren Bild vergrößern Szene aus dem Dresden-»Tatort« »Nachtschatten« mit Cornelia Gröschel und Martin Brambach Foto: Steffen Junghans / MDR Die Bundesländer lehnten kürzlich eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags ab, gleichzeitig erhöht der neue Reformstaatsvertrag den Druck auf ARD, ZDF und Deutschlandradio. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) reagiert nun mit einem drastischen Sparkurs. Betroffen sind Sendungsformate wie die Krimireihen »Tatort« und »Polizeiruf«. Hier sollen drei Jahre lang keine neuen Folgen produziert werden. »Die bislang durch die Bundesländer seit 1.1.2025 nicht erfolgte Umsetzung der Erhöhung des Rundfunkbeitrags bedeutet für den MDR eine umfangreiche Budget-Kürzung«, teilt der Sender auf SPIEGEL-Anfrage mit: »Diese Situation zwingt den MDR zu strategischen Entscheidungen, die sich unvermeidbar auch auf den Umfang der MDR-Programmangebote auswirken werden.« Zuvor hatten die Nachrichtenagentur KNA sowie das Portal »Flurfunk« über die Maßnahmen berichtet. MDR-Intendant Ralf Ludwig erläuterte die Sparmaßnahmen laut MDR am Montag dem Rundfunkrat, am Dienstag sollen diese im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung auch senderweit verkündet werden. Bild vergrößern MDR-Funkhaus in Halle Foto: dts Nachrichtenagentur / IMAGO Schleichender »Tatort«-AbschiedDer Abschied von »Tatort« und »Polizeiruf 110« soll schleichend erfolgen. Aktuell sind noch sechs Produktionen beauftragt, ein neuer Dresden-»Tatort« sollte am Montag noch vom Rundfunkrat genehmigt werden, berichtet der KNA. Doch das Gremium war demnach nicht beschlussfähig. Daher solle die Genehmigung jetzt im Umlaufverfahren erfolgen. »Der MDR hat bereits fertiggestellte und vertraglich fixierte Produktionen vorrätig, die in den nächsten Jahren zum Einsatz kommen«, teilt der Sender mit. Die ARD hatte erst kürzlich eine viermonatige »Tatort«-Sommerpause für 2026 angekündigt. Auch das könnte ein Zeichen für den Spardruck sein. Sollte das Modell Schule machen, müssten die ARD-Mitglieder weniger Folgen produzieren.Wie der Onlinedienst »Flurfunk« weiter berichtet, will der MDR zusätzlich seine Social-Media-Aktivitäten um 30 Prozent reduzieren. Dazu gehört auch, dass Podcasts unter 6000 Hörern im Monat eingestellt werden sollen. Die Nachrichtensendung »MDR aktuell« soll dafür künftig enger mit den drei relativ autonomen Landesfunkhäusern des Senders in Erfurt, Magdeburg und Dresden zusammenarbeiten, um Kosten zu sparen. »Die Überprüfung des Podcast-Portfolios und der Social-Kanäle erfolgt ohnehin kontinuierlich«, teilt ein MDR-Sprecher auf Anfrage mit: »Hier wird weniger in Zukunft mehr sein, Qualität vor Quantität. Wenige Podcast-Ausnahmen (bei niedrigeren Abrufzahlen) wird es bei ausgewiesener berechtigter öffentlich-rechtlicher Relevanz geben.«MDR gibt »Mittagsmagazin« abSchon Ende vergangener Woche hatte der MDR bestätigt, dass er das vor knapp drei Jahren vom RBB übernommene »Mittagsmagazin« wieder abgibt. Künftig soll die im Wechsel mit dem ZDF ausgestrahlte Sendung vom NDR produziert werden. Der MDR hatte das »MiMa« 2024 auch mit dem Argument übernommen, so die in den überregionalen Angeboten der ARD wenig vorkommenden ostdeutschen Themen zu stärken. Betroffen von den weiteren Sparmaßnahmen sind laut KNA mindestens 200 Mitarbeitende, wobei aktuell noch unklar ist, ob auch feste Stellen wegfallen. Auch das Magazin »MDR um 2« soll laut MDR ersetzt werden – durch ein streamingoptimiertes Nachrichtenformat. Hier sind laut KNA weitere 40 Stellen betroffen. Bereits zum Jahresende 2026 will der MDR außerdem die UKW-Verbreitung der Radiowelle MDR-Sputnik einstellen und das Programm nur noch digital verbreiten. Bei den Sendereihen »Raus aufs Land« und »Naturfilm« soll es bald keine neuen Folgen mehr geben. Mehr zum Thema Aus Kostengründen: MDR muss ARD-»Mittagsmagazin« nach nur drei Jahren wieder abgeben Als Location-Scout in Sachsen: »Wenn so ein Filmteam kommt, zieht ein Tornado durch Ihr Haus!« Aufgezeichnet von Lena Frings Diskussion über Rundfunkbeitrag: MDR plant weitere Einsparungen in Millionenhöhe Hintergrund der Einsparungen ist auch beim MDR die schwierige Finanzlage des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Eigentlich sollte der Rundfunkbeitrag Anfang 2025 von 18,36 Euro auf 18,94 Euro steigen. Dies wurde von den zuständigen Bundesländern aber nicht umgesetzt. ARD und ZDF haben deshalb Klage vor dem Bundesverfassungsgericht erhoben, Karlsruhe hat aber noch nicht entschieden. Wäre der Rundfunkbeitrag angehoben worden, hätte der MDR diesen »nun einschneidenden Weg nicht gehen« müssen, sagte MDR-Intendant Ludwig: »Doch die Realität lässt uns keine andere Wahl, wir können die seit 1.1.2025 fehlenden Einnahmen als MDR nicht mehr kompensieren.« ptz/KNA